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 Erlebnisberichte und Kommunikation zum Thema REISEN
claus Offline




Beiträge: 1.526

23.01.2015 11:19
Wohnwagen Tour Tunesien antworten

Eine irre Fahrt - aber keine Irrfahrt
Caravan-Trekking-Tour

Die Idee muss man erst einmal haben. „Mit dem Wohnwagen nach Nordafrika /Tunesien“.
Und ganz schnell waren 3 Gespanne beisammen, die dieses Reiseabenteuer erleben wollten.
Und eigentlich war alles perfekt geplant. Am 23.12. 2014 erst noch zu den Kindern nach Krefeld um mit Ihnen den Heiligen Abend zu verbringen. Und von dort aus in Richtung Genua zur Fähre.

Am 24.12. um 10.30 klingelte mein Handy. Ein Bekannter, der bereits in Tunesien verweilte berichtet mir, dass es in Kebili Unruhen gibt. Reifen brennen, es wurden Steine geworfen und in Douz gingen die ganze Nacht die Sirenen.
Für denjenigen, der diesen Bericht erst später liest: Am 23. waren in Tunesien Präsidentschaftswahlen und die Anhänger des unterlegenen Kandidaten haben Krawall gemacht.
Nun war uns nicht klar, ob dies ein Strohfeuer ist oder ob es sich zum Flächenbrand entwickelt. In dieser Zeit und unter solchen Bedingungen ist eine Prognose nur schwer möglich.
Die Reisefreunde telefonierten hin und her. Um 11.30 Uhr stand dann die Entscheidung.
Wenn wir wissentlich dieser Krawalle nach Tunesien fahren und es passiert etwas, dann hält uns jeder für leichtsinnig. Also haben wir eine Italien Rundreise als Alternative gewählt.
11.45 Uhr. Schnell per Mail die Fähre „Genua – Tunis“ storniert.
12.10 Uhr kam die Bestätigung der Stornierung. (Bis 12.00 Uhr hatte das Büro nur geöffnet.)
Auf Italien waren wir natürlich nicht vorbereitet.
Also schnell in die Stadt und zur Buchhandlung. Die hatte zum Glück bis 13.00 Uhr geöffnet.
Campingführer und Reiseliteratur „Italien“ gekauft und dann in die Ecke und lesen.
Am 25.12. ging es mit Wohnwagen am Haken über Krefeld, Frankfurt, Würzburg nach München. Übernachtung auf dem Rastplatz Kiefersfelden, kurz vor der Österreichischen Grenze.
Am nächsten Morgen: 20 cm Neuschnee. Das hatte mir gerade noch gefehlt.

Mit mäßiger Geschwindigkeit ging es über den Brenner. Südtirol empfing uns auf der anderen Seite mit Sonnenschein.
In Norditalien haben wir uns auf einem Campingplatz mit den beiden anderen Reisepartnern verabredet. Es war kalt und ungemütlich und unsere Stimmung etwas getrübt.
Unser Ziel lag jetzt klar vor uns. Nach Süden. Nach Sizilien. Immer in der Hoffnung auf etwas
angenehmere Temperaturen. Vorbei an Rom und Neapel.
Unser erstes großes Etappenziel war Pompeji.
Pompeji stand schon lange auf meiner Reise-Agenda. Das Wetter war immer noch ungemütlich und wir waren alle erkältet.
Dann meldete sich mein Bekannter aus Tunesien noch einmal und gab uns Mitteilung, dass es keine Krawalle mehr gibt. Jetzt gab es für uns nur noch eine Aufgabe. „Checken, wie wir noch nach Afrika kommen können“. Dann ging alles sehr schnell.
Es gibt eine Fähre von Salerno, das sind ca. 50 km von hier. Das Schiff geht aber schon morgen
um 12.00 Uhr. Also los. Tickets kaufen und an Bord. 24 Stunden später waren wir in Afrika.
Kurzer Hinweis für Rechner. Die Fähre Genua – Tunis mit Auto und Wohnwagen inklusive Kabine kostet ca. 1.100,- €. Die Fähre Salerno –Tunis liegt unter 700,-- €. Trotz Stornogebühren, Maut und Campingplatz ist uns die Überfahrt nicht teurer gekommen. Vielleicht ein kleiner Tipp.
Tunesien versuchte mit Gewalt, uns zu vertreiben. Regen, Sturm und Schneetreiben in Hamamet. So hatten wir uns das nun gar nicht vorgestellt. Die Silvester-Nacht haben wir geschützt hinter Mauern verbracht. Wir haben gefroren und waren immer noch erkältet.
Weiter gen Süden. Nach Tozeur. Endlich Sonne und auch Sahara Sand.

Der Rest unserer Reise lief dann mit einer leichten Zeitverschiebung wie geplant ab.
Die Filmkulisse Star Wars, der Wasserfall und Canyon von Tamerza, das Chott el Jerryd, die versteinerten Dünen von Fatnassa, das Tor zu Sahara in Douz, Sandrosenfelder, Tembaine und die Oase Ksar Ghillane.

Wir haben unseren Wohnwagen jeweils auf einem Campingplatz abgestellt und von dort Tagestouren unternommen. Wenn man sich nicht verfährt und in den Dünen nicht schaufeln muss, dann schafft man die Tour von Douz bis zu den Tafelbergen von Tembaine und wieder zurück an einem Tag.
Und Ksar Ghillane kann man ja inzwischen auf Teerstraße erreichen. Vielleicht hätten wir uns mit den Wohnwagen etwas geschämt, aber es gab keine Offroader, vor denen wir uns hätten schämen können. Jetzt, Mitte Januar war Tunesien „fast“ Offroad-frei.


Mit dem Wohnwagen durch Süditalien war schon ein Erlebnis der besonderen Güte. Mit dem WoWa durch afrikanische Ortschaften ist ein unvergessliches Abenteuer.
Man muss sich das so vorstellen:
Grundsätzlich sind alle Verkehrsschilder und Verkehrsordnungen nur „grobe Empfehlungen“.
Parken in der zweiten Reihe ist normal. Wenn dort ein Cafe ist, dann stehen davor auch noch reichlich Mofas. Fußgänger gehen grundsätzlich auf der Straße. Wenn man gerade Lust hat, fährt man mit seinem Auto los. Schauen, ob da noch jemand anderes am Straßenverkehr teilnimmt, kann man ja dann immer noch. Außerdem hat der andere eine Hupe und ein Lenkrad. da kann er ja schließlich ausweichen. Und dann fehlen noch die Eselskarren, die irgendwo zu diesem Straßenbild gehören. Damit der Verkehr nicht total aus den Rudern läuft, hat man in jedem Dorf am Eingang und an Ende sogenannte Bodenwellen errichtet. Manchmal gibt es Hinweisschilder auf diese Bodenwellen. Manchmal sind sie gelb angestrichen und oft ist die gelbe Fahre abgefahren. Die meisten dieser Bodenwellen habe ich gesehen. Einige konnten sich aber meiner Aufmerksamkeit entziehen. 2 x musste ich eine Vollbremsung machen und 3 x bin ich ungebremst über diese Buckel. Mein Wohnwagen hing 40 cm in der Lust und schlug dann ziemlich unsanft auf.
Wohnwagen hinter dem Geländefahrzeug ist in Tunesien auf jeden Fall ein „Eyecatcher“.
So ein Gespann gehört (noch) nicht zum täglichen Anblick.
Irgendwann mussten wir uns dann nach 3 Wochen doch um die Rückreise kümmern.

Unser Schiff ging um 00.1 Uhr ab Tunis. Um 17.00 Uhr waren wir im Hafen. Ab 22.00 Uhr begann die Einschiffung. Um 2.30 Uhr waren wir immer noch in der Warteschleife. Das zerrte an den Nerven. Und diese neue Regelung mit den Marken beim Zoll gab uns den Rest.
Um 4.00 Uhr waren wir endlich an Bord.
Wir waren die einzigen Nordeuropäer. Und das meine ich weder ironisch noch rassistisch, es soll nur untermauern, wie es Bord zuging. Überall lagen Menschen. Auf 2 Stühlen im Speiseraum, auf dem Sofa der Cafeteria, in den Gängen und vor den Kabinen.
Pünktlich legte das Schiff in Salerno an. Der Zoll war dann eigentlich nur noch Formsache.

Irgendwie hatte ich auf der Autostrada das Gefühl, dass mein Gespann nicht mehr so ruhig auf der Straße liegt wie zuvor. Luftdruck überprüfen. Der Wohnwagen schaukelte sich jetzt richtig auf, sodass ich in Modena eine Werkstatt aufsuchte. Dort hatte man aber wenig Interesse für meine Probleme.
Also überprüfte ich mein Gespann und fuhr weiter. Auf der Fahrt über den Brenner habe ich mich dann zwischen die LKW geklemmt, die dort mit 40 km/h fahren mussten. Es war inzwischen dunkel geworden und zu den Wipp- und Schlingerbewegungen gesellte sich noch Angstschweiß.
Aber bis Deutschland wollte ich es noch schaffen. Mit mäßiger Geschwindigkeit und einem unguten Gefühl fuhr ich dann in eine Wohnwagen-Fachwerkstatt bei Rosenheim.
Diagnose: An zwei Stellen ist der Rahmen gebrochen. Eine Folge der harten Schläge in Afrika.
Ohne Wohnwagen sind wir dann nach 4 ½ Wochen wieder zu Hause gewesen.
Fazit:
Im Dezember und Januar würde ich immer mit dem Wohnwagen fahren. Tagsüber hat man im Süden von Tunesien Sonnenschein, aber ab 17.00 Uhr wird es kalt. Da ist dann der WoWa mit Heizung eine gute Alternative. Wenn man allerdings in der Gruppe fährt, benötigt man schon das Lagerfeuer, wenn nicht jeder für sich im Wohnwagen sitzen will.
Ich würde es wieder tun.

Claus
Admin und Koordinator www.safaricar.de
Fragen? Ruft mich an: 05352-7654
(Wer etwas erzählen will, muss vorher etwas erlebt haben)

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